-as- Metelen. Ein Totalausfall für die Fischfauna. Dieses Fazit zog gestern Dr. Olaf Niepagenkemper vom Fischereiverband NRW nach dem Gülle-Unfall in der Vechte. Durch den niedrigen Wasserstand der Vechte war ohnehin schon wenig Sauerstoff im Wasser, die Gülle gab den Fischen jetzt den Rest.

250 bis 270 Kilogramm tote Fische haben die Mitglieder des Angelvereins bereits aus dem Fluss gesammelt. Und wir sind noch nicht am Ende, so Kurt Rave vom Angelverein. Der Gewässerwart erwartet im Stellnetz bei Plagemanns Mühle unterhalb der Eintrittsstelle noch mal rund 150 Kilogramm. Gestern Morgen galt es dann, die übriggebliebenen Fische zu zählen. Mithilfe des Elektrofischens zählte Dr. Olaf Niepagenkemper den Bestand der Fische in diesem Abschnitt der Vechte. Bei dieser Methode wird im Wasser mit einem Käscher und einer Batterie ein Stromkreis aufgebaut, durch den die Fische kurz betäubt werden und an die Oberfläche schwimmen. An drei Stellen, einmal oberhalb und unterhalb der Eintrittsstelle der Gülle, sowie im betroffenen Abschnitt nahm Niepagenkemper die Zählung vor.

Bis nach Metelen könne man von einem Totalausfall sprechen, erklärte der Fischereibiologe. Auf dem Flussstück bis Langenhorst gäbe es zwar noch Fische, doch auch hier sei die Anzahl, die eigentlich normal wäre deutlich unterschritten worden. Besonders verärgert waren die Mitglieder des Angelvereins, die im Frühjahr noch 4000 Setzlinge in der Vechte ausgesetzt hatten. Das war unsere Kinderstube, ist Rave enttäuscht.

Auch Dr. Niepagenkemper ist sich sicher, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis sich die Vechte wieder einigermaßen erholt hat. Wir müssen das nächste Hochwasser abwarten, damit die letzten Rest der Gülle weggespült werden, erklärte er. Den Mitgliedern des Angelvereins stehen viele Jahre Arbeit bevor, um den Zustand vor dem Fischsterben wieder herzustellen. Denn auch mit dem Aussetzen neuer Fische müssen sie bis zum nächsten Hochwasser, das den Fluss reinigt, warten. Bis dahin erwägt der Angelverein die Vechte für Angler zu sperren.

19. Juli 2005 | Quelle: Tagesblatt fuer den Kreis Steinfurt